Handeln unter Vorbehalt

Sich Ziele zu setzen, etwas in der Außenwelt zu erreichen, ist ein Spiel mit dem Schicksal: man übergibt seine Handlung, die aus einer guten Intention heraus stammt, in die Welt in der Hoffnung, damit etwas zu bewirken.

Doch die Dinge laufen nicht immer so, wie wir uns das vorstellen; Handlungen können fehlschlagen oder verhindert werden.

Daher raten uns die Stoiker, unter Vorbehalt zu handeln und unsere Vorhaben auch genauso zu formulieren:

"Ich werde XY tun, wenn das Schicksal es zulässt."

Mehr nicht. Damit harmonisiert man sich mit dem Willen des Kosmos, mit dem Schicksal, mit dem Lauf der Dinge und man stellt sich darauf ein, dass es auch anders kommen kann, als man denkt.

Jeder Fehlschlag ist daher eine Lernmöglichkeit. Die Möglichkeit, sein Bild von der Welt zu korrigieren und zukünftig noch mehr im Einklang mit der Natur zu leben.

[..] Denn alles, was wir erstreben, erstreben wir ja nur unter gewissen Voraussetzungen. Halten diese nicht Stich — ­wer wird das Unmögliche wollen? Nur daß unser Streben ein edles war! Denn ein solches trägt seinen Lohn in sich selbst — wie alles, was wir tun, wenn wir unserer innersten Natur gehorchen.

  • Selbstbetrachtungen 6.50

So verfahre bei jedem Werke. Dann hast du, wenn sich während des Badens irgendetwas Hinderndes ereignet, sogleich den Gedanken bei der Hand: »Nicht bloß dieses (baden z. B.) wollte ich, sondern auch meinen freien Willen und Charakter bewahren. Ich würde ihn aber nicht behaupten, wenn ich über das, was hier vorgeht, ungehalten sein wollte.«

  • Epiktet, Handbüchlein der Moral 4.2