Der führt kein wünschenswertes Leben, der nicht gut zu sterben weiß. Daher muss man vor allem dem Tode keine so hohe Bedeutung beimessen, sondern den Odem zu einer verächtlichen Nebensache machen.
Das schreibt Seneca in "Von der Ausgeglichenheit der Seele" (de tranqulitate animi)
Wer den Tod fürchtet, wird nie einer des lebenden Menschen würdigen Tat fähig sein. Aber wer sich dessen bewusst ist, dass gleich bei seiner Empfängnis auch die endgültige Bestimmung über ihn getroffen sei, der wird der Vorschrift gemäß leben und mit derselben Geisteskraft zugleich auch das erreichen, dass ihn nichts von allem, was da kommen mag, unvorbereitet trifft; denn immer sieht er, was möglicherweise eintreten kann, gewissermaßen als wirklich eintretend, voraus und lindert dadurch das Ungestüm alles hereinbrechenden Unheils, das den in vollem Maße darauf Vorbereiteten keine Überraschung bringt, während es den sich gesichert Wähnenden und nur an Glück Denkenden als schwere Prüfung erscheint.
Die längste Zeit waren wir nicht in dieser Welt und die längste Zeit werden wir nicht in dieser Welt sein. Dazwischen machen wir die Erfahrung, die man Leben nennt; und dazu gehört auch das Sterben sowie der Tod.
Sich regelmäßig daran zu erinnern, dass man selbst irgendwann stirbt und auch geliebte Menschen, Tiere oder Dinge sterben, lässt Demut aufkommen und lädt ein, den gegenwärtigen Moment bestmöglich zu nutzen.
Bei jeglichem Dinge, womit du beschäftigt bist, frage dich, ob der Tod darum, weil er dich seiner beraubt, etwas so Schreckliches ist. Selbstbetrachtungen 10.29
Denke an die Beschaffenheit des Leibes und der Seele, worin du dich vom Tod ergreifen lassen mußt, sowie an die Kürze des Lebens, an den unermeßlichen Zeitraum hinter dir und vor dir, an die Gebrechlichkeit jeden Stoffes. Selbstbetrachtungen 12.7