Warum wir mehr Stoizismus brauchen

"Wir leiden öfter in der Vorstellung als in der Wirklichkeit." ~ Seneca

Einleitung

Das Leben ist voller Herausforderungen und Unvorhersehbarkeiten. Das wird uns umso deutlicher, je mehr Krisen und Probleme um uns herum passieren. In solchen Zeiten suchen wir oft nach philosophischen oder spirituellen Wegen, um uns durch die Turbulenzen des Lebens zu navigieren. Viele Menschen finden dann zu den Schriften von Seneca, Epiktet oder Mark Aurel, die Motivation, Trost und Zuversicht spenden - denn diese über 2000 Jahre alte Philosophieschule liefert mehr als nur Tipps für das gute Leben.

Was die Stoa uns heute noch "bringt", stelle ich in diesem Artikel kurz dar.

Stoizismus: Eine sehr kurze Einführung

Der Stoizismus ist eine antike griechische Philosophie, die von Zeno von Citium ca. 350 v. Chr. gegründet wurde. Sie lehrt, dass die Tugend ausreichend ist, um zum Glück zu gelangen, und dass wir uns nicht von äußeren Ereignissen beeinflussen lassen sollten. Die Stoikern bieten uns einen Blick auf die Welt, der es uns aus uns selbst heraus ermöglicht, ein gutes Leben zu führen - und zwar von den Außendingen unberührt. Ihnen ist wichtig, dass wir erkennen, was wir kontrollieren können und wie wir damit erfolgreich und seelenruhig durch das Leben gleiten.

Eine herausfordernde Ansage aus heutiger Sicht!

Stoizismus in der modernen Zeit

Die unmenschliche Flut von Informationen, negativen Nachrichten und ständigen Ablenkungen belastet viele Menschen. Dies kann zu Stress, Angst und allgemeiner Unzufriedenheit führen. Der Stoizismus kann hier ein wirksames Mittel sein, um uns zu helfen, einen klaren Kopf zu bewahren und uns auf das zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist.

Stoizismus und emotionale Kontrolle

Ein zentraler Aspekt der Philosophie der Stoa ist die Idee der Kontrolle und der damit verbundene Einfluss auf unsere Emotionen. Die Stoiker glauben, dass wir, obwohl wir nicht immer die Kontrolle über die Ereignisse in unserem Leben haben, im weitesten Sinne immer die Kontrolle darüber haben, wie wir auf diese Ereignisse reagieren.

Genauer gesagt: wir können lernen, uns immer mehr auf das zu fokussieren, was wir unter Kontrolle haben - und auf der anderen Seite auch zu lernen, das zu akzeptieren, was wir nicht unter Kontrolle haben.

Stoizismus und Resilienz

Der Stoizismus lehrt uns auch, wie wir widerstandsfähiger gegenüber den Herausforderungen des Lebens sein können. Indem wir lernen, unsere Reaktionen auf schwierige Situationen zu kontrollieren, können wir eine innere Stärke entwickeln, die uns hilft, auch in schwierigen Zeiten standhaft zu bleiben.

Doch das Ziel ist nicht, seine Reaktionen und Emotionen zu unterdrücken, sondern sie vielmehr einer genauen Untersuchung zu unterziehen. Wir lernen zu erkennen, welche Meinungen und Perspektiven uns so reagieren lassen. Diese Meinungen werden dann mit der objektiven Welt abgeglichen bzw. auf Warheit geprüft.

Stoizismus und Ethik

Die Stoiker sind der Ansicht, dass Tugend das höchste Gut ist und dass ein tugendhaftes Leben ein glückliches Leben ist. Dieser ethische Aspekt des Stoizismus kann uns dabei helfen, in unserer modernen Welt moralische Entscheidungen zu treffen.

Mit den Tugenden als Kompass der eigenen Charakterqualitäten erhält man auch noch heute eine wertvolle Orientierungshilfe.

Stoizismus in der Praxis

Obwohl der Stoizismus eine antike Philosophie ist, sind seine Prinzipien in der modernen Welt immer noch anwendbar. Sie besticht vor allem durch ihre Anwendbarkeit im Alltag - denn das war damals auch ihr Anspruch an eine Lebensphilosophie.

Hier sind einige praktische Tipps, wie du den Stoizismus in deinem täglichen Leben anwenden kannst:

Kontrolliere, was du kontrollieren kannst

Eine der zentralen Lehren des Stoizismus ist die Unterscheidung zwischen Dingen, die wir kontrollieren können, und Dingen, die außerhalb unserer Kontrolle liegen. Indem wir uns darauf konzentrieren, was wir kontrollieren können, können wir uns von unnötigem Stress und Sorgen befreien.

Im Endeffekt können wir aus Sicht der Stoiker lediglich unsere Urteile, unser Begehren und Vermeiden sowie unsere Motivation kontrollieren bzw. von unserer begrenzten Willensfreiheit Gebrauch machen.

Doch wenn wir das wirklich beherrschen, kann uns nichts mehr unserem Glück im Wege stehen.

Mehr dazu findest du auch hier: Ebenen der Kontrolle

Übe Dankbarkeit

Die Stoiker wussten, dass es wichtig ist, dankbar zu sein für das, was wir haben, anstatt uns ständig nach mehr zu sehnen. Indem wir Dankbarkeit üben, können wir unser Glück steigern und unsere Zufriedenheit mit dem Leben verbessern.

Eine weitere Übung, die zu Dankbarkeit führen kann, ist die premeditatio malorum - die Vorwegnahme von Übeln

Lebe im Hier und Jetzt

Der Stoizismus lehrt uns, im gegenwärtigen Moment zu leben und nicht ständig über die Vergangenheit zu grübeln oder uns Sorgen über die Zukunft zu machen. Indem wir uns auf das Hier und Jetzt konzentrieren, können wir unser Leben voll und ganz erleben.

Zur Übung "Im gegenwärtigen Moment sein"

Fazit

Der Stoizismus mag eine antike Philosophie sein, aber seine Prinzipien sind in unserer modernen Welt immer noch relevant. Indem wir lernen, unsere Emotionen zu kontrollieren, widerstandsfähiger zu sein und ethische Entscheidungen zu treffen, können wir ein erfüllteres und zufriedeneres Leben führen. Unabhängig davon, ob du mit persönlichen Herausforderungen, beruflichen Schwierigkeiten oder einfach nur dem alltäglichen Stress des Lebens konfrontiert bist, kann der Stoizismus Ihnen helfen, Ruhe und Gelassenheit zu finden.

Neben dem Selbststudium, zahlreichen Büchern und dem Stoiker Podcast gibt es auch die Möglichkeit, über ein Mentoring die Ideen der Stoiker in dein Leben zu bringen.

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